Zum Blog
Geld & Kalkulation9 Min. Lesezeit

Von der Zelino Redaktion

Stundensatz als Handwerker berechnen: Rechenweg mit Beispiel

Nicht raten. Einmal sauber rechnen.

Viele Betriebe übernehmen den Stundensatz vom Kollegen und wundern sich, warum am Jahresende nichts übrig bleibt. So rechnest du deinen eigenen Satz in vier Schritten aus.

Gezeichnete Werkbank mit Werkzeugkiste, Taschenrechner, Notizbuch mit Balken und Wanduhr
Illustration für Zelino, mit KI erstellt.
Direkt zum passenden Abschnitt

Kurzantwort

Deinen Stundensatz berechnest du so: Zähle alle Jahreskosten deines Betriebs zusammen, addiere deinen Unternehmerlohn und einen Zuschlag für Wagnis und Gewinn, und teile die Summe durch die Stunden, die du im Jahr wirklich abrechnen kannst. Das sind bei Solo-Handwerkern meist nur 1.100 bis 1.250 Stunden, nicht 2.000. Material und Anfahrt rechnest du zusätzlich ab.

Das Wichtigste zuerst

  • Der Stundensatz muss alle Kosten tragen, die du nicht separat berechnest – auch dein eigenes Gehalt.
  • Teile nie durch die Anwesenheitszeit: Fahrten, Einkauf und Büro bezahlt dir niemand direkt.
  • Ein Mitarbeiter kostet pro produktiver Stunde fast doppelt so viel wie sein Bruttostundenlohn.
  • Rechne den Satz mindestens einmal im Jahr neu – Lohn, Sprit und Versicherungen ändern sich.

Vom Wissen ins Machen · Zelino

Vom Angebot zur Rechnung. Auf deinem Handy.

Kunden und Leistungen erfassen, das Dokument prüfen und direkt versenden. Teste den Ablauf mit einem Musterauftrag, bevor du dich entscheidest.

  1. 1Kunden auswählen
  2. 2Leistungen erfassen
  3. 3Dokument prüfen
Jetzt im Browser ausprobieren

14 Tage gratis · bis zu 10 Dokumente · ohne Kreditkarte

Für iPhone im App Store laden
Zelino-App: Angebote und Rechnungen mit Status im Überblick
Einblick in die Zelino-App · Beispieldaten

Dein Stundensatz in vier Schritten

  1. 1

    Kosten sammeln

    Fahrzeug, Werkzeug, Versicherung, Büro, Beiträge – alles fürs ganze Jahr.

  2. 2

    Lohn festlegen

    Was du selbst verdienen willst, inklusive Vorsorge.

  3. 3

    Stunden zählen

    Nur Stunden, die du beim Kunden abrechnen kannst.

  4. 4

    Teilen und prüfen

    Summe plus Gewinn durch abrechenbare Stunden.

Typische Denkfehler beim Stundensatz

Typische Denkfehler beim Stundensatz
ThemaBauchgefühlSauber gerechnet
GrundlageWas der Kollege nimmtEigene Kosten und Ziele
Stunden40 Std. × 52 WochenNur abrechenbare Stunden
Eigenes GehaltWas übrig bleibtFester Kostenblock
MitarbeiterBruttolohn + etwasAlle Lohnkosten und Ausfallzeiten

Grundlage

Was der Stundensatz alles bezahlen muss

Der Stundensatz – im Handwerk oft Stundenverrechnungssatz genannt – ist die Preisuntergrenze für eine Arbeitsstunde. Er muss alles tragen, was du dem Kunden nicht als eigene Position berechnest: Lohn, Lohnnebenkosten, Fahrzeug, Werkzeug, Versicherungen, Büro, Steuerberater, Werbung und am Ende auch deinen Gewinn.

Material berechnest du in der Regel separat mit Aufschlag, Anfahrt oft als Pauschale. Wenn du beides im Stundensatz versteckst, wird dein Preis für kleine Aufträge zu billig und für große zu teuer.

  • Personalkosten: Bruttolohn, Arbeitgeberanteile, Berufsgenossenschaft, bezahlte Ausfallzeiten
  • Betriebskosten: Fahrzeug, Werkzeug, Miete, Telefon, Software, Versicherungen
  • Verwaltung: Steuerberater, Kammerbeiträge, Bank, Werbung
  • Unternehmerlohn und Vorsorge des Inhabers
  • Zuschlag für Wagnis und Gewinn

Quellen: Deutsche Handwerks Zeitung: Was kostet eine Handwerkerstunde? (2023)

Der häufigste Fehler

Teile durch abrechenbare Stunden, nicht durch Anwesenheit

Ein Jahr hat rund 260 Arbeitstage von Montag bis Freitag. Ziehst du Urlaub, Feiertage und ein paar Krankheitstage ab, bleiben etwa 210 Arbeitstage. Bei acht Stunden sind das 1.680 Stunden Anwesenheit.

Davon kannst du aber nicht alles beim Kunden abrechnen. Angebote schreiben, Material holen, Fahrten, Besichtigungen ohne Auftrag, Rechnungen und Telefonate fressen bei Solo-Handwerkern schnell 25 bis 35 Prozent der Zeit. Realistisch bleiben dann 1.100 bis 1.250 verkaufbare Stunden. Genau durch diese Zahl musst du teilen.

Tipp: Schreib vier Wochen lang auf, wie viele Stunden du wirklich beim Kunden abrechnest. Diese Quote ist die ehrlichste Zahl in deiner Kalkulation.

Rechenbeispiel

Beispiel: Solo-Fliesenleger ohne Mitarbeiter

Die folgenden Zahlen sind ein frei gewähltes Rechenbeispiel, keine Marktstatistik. Setz deine eigenen Werte ein.

Jahreskosten des Betriebs: Fahrzeug 9.000 €, Werkzeug und Abschreibung 3.000 €, Versicherungen 2.500 €, Lager 2.400 €, Steuerberater und Beiträge 3.000 €, Telefon, Software und Büro 1.800 €, Werbung 1.200 €. Zusammen 22.900 €.

Dazu kommt der Unternehmerlohn: 60.000 € im Jahr, aus denen du auch Krankenversicherung und Altersvorsorge bezahlst. Zwischensumme 82.900 €. Mit 8 Prozent Zuschlag für Wagnis und Gewinn ergibt das 89.532 €.

Bei 1.180 abrechenbaren Stunden sind das 89.532 € ÷ 1.180 = rund 76 € netto pro Stunde. Für Privatkunden kommen 19 Prozent Umsatzsteuer dazu, also rund 90 € brutto.

  • Betriebskosten: 22.900 €
  • Unternehmerlohn: 60.000 €
  • Wagnis und Gewinn (8 %): 6.632 €
  • Abrechenbare Stunden: 1.180
  • Stundensatz: rund 76 € netto

Mit Team

Was eine Mitarbeiterstunde wirklich kostet

Ein Geselle mit 3.200 € Monatslohn kostet dich im Jahr 38.400 € brutto. Darauf kommen die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung von gut 21 Prozent (2026 bei durchschnittlichem Zusatzbeitrag), also rund 8.100 €, dazu Berufsgenossenschaft und Umlagen. Im Beispiel landest du bei etwa 48.400 € Personalkosten.

Bezahlt wird der Mitarbeiter auch an Urlaubs-, Feier- und Krankheitstagen. Wenn er auf der Baustelle rund 1.430 Stunden im Jahr produktiv arbeitet, kostet dich jede dieser Stunden schon 33,85 € – ohne Fahrzeug, Werkzeug und Verwaltung. Mit einem Anteil von 12.000 € Gemeinkosten und 10 Prozent Gewinn liegt die Untergrenze bei rund 46 € netto.

Zum Vergleich: Der Stuckateur-Fachverband Baden-Württemberg kam schon 2023 in einer Beispielrechnung auf lohngebundene Kosten von fast 88 Prozent des Stundenlohns und einen Vollkostensatz von 66 € pro Stunde.

Quellen: AOK: Beitragssätze in der Sozialversicherung 2026 · Deutsche Handwerks Zeitung: Was kostet eine Handwerkerstunde? (2023)

Praxis

Vom Stundensatz zum Einheitspreis im Angebot

Kunden kaufen selten Stunden, sondern Quadratmeter, Meter oder Stück. Deinen Stundensatz brauchst du trotzdem für jeden Einheitspreis: Zeitbedarf pro Einheit mal Stundensatz plus Material.

Beispiel: Für einen Quadratmeter Wandfliese im Format 30 × 60 brauchst du inklusive Zuschnitt 0,8 Stunden. Bei 76 € Stundensatz sind das 60,80 € Lohnanteil. Kleber und Fugenmaterial kommen dazu. Wenn du deine Zeiten pro Einheit auf echten Baustellen mitschreibst, werden diese Werte jedes Jahr genauer.

Verhandlung

Wenn der Kunde sagt: „Das ist zu teuer“

Wer seinen Satz ausgerechnet hat, weiß, wo die Schmerzgrenze liegt. Unter die Untergrenze gehst du nicht, denn dann zahlst du für den Auftrag drauf. Verhandeln kannst du über den Umfang: weniger Leistung, anderes Material, flexibler Termin.

Hilfreich ist ein verständliches Angebot. Wenn der Kunde sieht, welche Leistungen enthalten sind – Untergrund prüfen, Abdichtung, Silikonfugen, Reinigung –, vergleicht er weniger nur die Endsumme.

Kontrolle

Einmal im Jahr nachrechnen

Löhne, Beiträge, Sprit und Versicherungen ändern sich jedes Jahr. Rechne deinen Satz deshalb mindestens zum Jahreswechsel neu und vergleiche: Wie viele Stunden habe ich wirklich abgerechnet? Hat der Gewinn gereicht?

Wenn du deine Zeiten pro Baustelle erfasst, siehst du nach jedem Auftrag, ob deine Kalkulation gestimmt hat. Das ist der schnellste Weg zu besseren Preisen.

Checkliste für deinen Stundensatz

  1. 1Alle Jahreskosten des Betriebs aufgelistet
  2. 2Eigenen Unternehmerlohn als Kosten angesetzt
  3. 3Vorsorge und Krankenversicherung eingerechnet
  4. 4Abrechenbare Stunden realistisch geschätzt
  5. 5Mitarbeiter mit allen Lohnnebenkosten gerechnet
  6. 6Zuschlag für Wagnis und Gewinn ergänzt
  7. 7Material und Anfahrt separat kalkuliert
  8. 8Satz zum Jahreswechsel neu geprüft

Typische Fehler, die du vermeiden solltest

Den Stundensatz vom Wettbewerber übernehmen, ohne die eigenen Kosten zu kennen.
Durch 2.000 Stunden teilen, obwohl nur gut die Hälfte abrechenbar ist.
Das eigene Gehalt als „Rest“ betrachten statt als Kostenblock.
Mitarbeiterstunden nur mit dem Bruttolohn plus kleinem Aufschlag rechnen.

Zeiten und Preise an einem Ort

In Zelino erfasst du Arbeitszeiten pro Baustelle und hinterlegst Stundensätze für dich und dein Team. Zeiten übernimmst du direkt in die Rechnung – und siehst nach jedem Auftrag, ob deine Kalkulation aufgegangen ist.

  • Zeiten pro Projekt und Mitarbeiter erfassen
  • Eigene Stundensätze und Leistungen im Katalog
  • 14 Tage kostenlos testen, ohne Kreditkarte

14 Tage gratis · bis zu 10 Dokumente · ohne Kreditkarte. Zelino für iPhone laden

Häufige Fragen

Wie berechne ich meinen Stundensatz als Handwerker?

Addiere alle Jahreskosten deines Betriebs, deinen Unternehmerlohn und einen Zuschlag für Wagnis und Gewinn. Teile die Summe durch die Stunden, die du im Jahr tatsächlich beim Kunden abrechnen kannst.

Wie viele Stunden kann ein Handwerker im Jahr abrechnen?

Nach Urlaub, Feiertagen und Krankheit bleiben oft rund 1.680 Anwesenheitsstunden. Solo-Handwerker können davon wegen Fahrten, Angeboten und Büro meist nur 1.100 bis 1.250 Stunden abrechnen.

Was kostet eine Handwerkerstunde 2026?

Das hängt stark von Gewerk, Region und Betriebsgröße ab. Beispielrechnungen aus Kammern und Verbänden lagen schon 2023 bei 64 bis 66 € netto. Entscheidend ist dein eigener kostendeckender Satz.

Wie viel kostet ein Mitarbeiter pro Stunde?

Deutlich mehr als sein Bruttostundenlohn. Arbeitgeberanteile, Berufsgenossenschaft, bezahlter Urlaub, Feiertage und Krankheit erhöhen die Kosten pro produktiver Stunde oft auf das 1,8- bis 2-Fache.

Gehört Material in den Stundensatz?

Nein. Material berechnest du besser als eigene Position mit Aufschlag. Sonst sind kleine Aufträge zu billig und materialintensive Aufträge nicht kostendeckend.

Redaktion und Quellen

Von der Zelino Redaktion. Verantwortlich: Okan Bahadir · Zelino Studio. Quellen geprüft am 20.10.2026.

Die verlinkten Primärquellen belegen die jeweiligen fachlichen Angaben. Zeitpläne, Checklisten und gekennzeichnete Muster sind redaktionelle Arbeitshilfen. Anforderungen im Einzelfall klärst du mit deiner Handwerkskammer sowie deiner Rechts- oder Steuerberatung.

Weiter lesen