Von der Zelino Redaktion
Kostenvoranschlag oder Angebot? Was Handwerker wissen müssen
Unverbindlich schätzen oder verbindlich anbieten?
Kostenvoranschlag, Angebot, Festpreis – im Alltag wird alles durcheinandergeworfen. Rechtlich ist der Unterschied groß. Wer ihn kennt, schützt sich vor Streit über Mehrkosten.
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Kurzantwort
Ein Kostenvoranschlag ist eine unverbindliche Schätzung: Die Rechnung darf davon abweichen, aber nicht wesentlich – als Orientierung gelten meist 10 bis 20 %. Zeichnet sich eine größere Überschreitung ab, musst du den Kunden sofort informieren, sonst drohen Schadensersatz und Kündigung. Ein Angebot ist dagegen verbindlich: Nimmt der Kunde es an, gelten deine Preise. Einen Kostenvoranschlag darfst du nur berechnen, wenn das vorher vereinbart war.
Das Wichtigste zuerst
- Kostenvoranschlag = Schätzung. Angebot = verbindliche Preiszusage.
- Beim Kostenvoranschlag musst du drohende wesentliche Mehrkosten sofort melden.
- Ein Kostenvoranschlag ist im Zweifel kostenlos – außer du vereinbarst vorher etwas anderes.
- Beim Angebot mit Einheitspreisen rechnest du die tatsächlichen Mengen per Aufmaß ab.
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- 1
Umfang klar?
Dann ein verbindliches Angebot mit Einheits- oder Pauschalpreis.
- 2
Umfang offen?
Dann ein Kostenvoranschlag mit klaren Annahmen.
- 3
Abweichung?
Sofort melden und Nachtrag oder neue Schätzung schicken.
Kostenvoranschlag, Angebot und Pauschalpreis
| Thema | Kostenvoranschlag | Angebot |
|---|---|---|
| Bindung | Unverbindliche Schätzung | Verbindlich nach Annahme |
| Abweichung | Nicht wesentlich, sonst melden | Preise fest, Mengen nach Aufmaß |
| Mehrkosten | Anzeigepflicht, Kündigungsrecht | Nur per Nachtrag |
| Kosten für den Kunden | Nur nach Vereinbarung | In der Regel kostenlos |
Grundlage
Der Unterschied in einem Satz
Mit einem Kostenvoranschlag sagst du: „So viel wird es voraussichtlich kosten.“ Mit einem Angebot sagst du: „Zu diesen Preisen mache ich es.“ Der Kostenvoranschlag ist eine fachliche Schätzung, das Angebot ein verbindlicher Antrag, den der Kunde nur noch annehmen muss. Übernimmst du für einen Kostenvoranschlag ausdrücklich die Gewähr, dass er stimmt, wird er praktisch zum Festpreis.
Im Alltag nennen viele Kunden alles „Kostenvoranschlag“. Entscheidend ist, was in deinem Dokument steht. Schreib deshalb klar „Angebot“ oder „Kostenvoranschlag (unverbindlich)“ in die Überschrift.
Mehrkosten
Wie weit darf die Rechnung vom Kostenvoranschlag abweichen?
Eine feste gesetzliche Grenze gibt es nicht. Die Rechtsprechung sieht Überschreitungen von etwa 10 bis 20 % meist noch als unwesentlich an, in Ausnahmefällen auch etwas mehr. Es kommt auf den Auftrag an: Bei einer Altbausanierung mit unklarem Untergrund ist mehr Spielraum üblich als beim Streichen einer leeren Neubauwohnung.
Viel wichtiger als die Prozentzahl: Sobald du merkst, dass es deutlich teurer wird, musst du den Kunden unverzüglich informieren. Er darf den Vertrag dann kündigen und zahlt nur, was bis dahin geleistet wurde. Meldest du dich nicht, kann er Schadensersatz verlangen.
Die Prozentwerte sind Orientierungswerte aus der Rechtsprechung, keine feste Grenze. Im Streitfall entscheidet der Einzelfall.
Quellen: § 649 BGB: Kostenanschlag · IHK Frankfurt am Main: Kostenvoranschlag
Vergütung
Darf ein Kostenvoranschlag etwas kosten?
Nur, wenn du das vorher ausdrücklich mit dem Kunden vereinbart hast. Ohne Vereinbarung ist ein Kostenvoranschlag im Zweifel kostenlos, und du müsstest im Streit beweisen, dass etwas anderes abgemacht war.
Wenn eine Besichtigung mit Aufmaß viel Zeit kostet, sag am Telefon offen: „Für das Aufmaß berechne ich 80 €, die ich bei Auftragserteilung verrechne.“ Und bestätige das kurz per Nachricht.
Quellen: § 632 BGB: Vergütung
Angebot
Was ein verbindliches Angebot bedeutet
Ein Angebot mit Einheitspreisen bindet dich an die Preise pro Quadratmeter, Meter oder Stück. Abgerechnet wird aber die tatsächlich ausgeführte Menge nach Aufmaß. Bei einem Pauschalpreis ist dagegen die Summe fest – auch wenn es mehr Arbeit wird, solange der Leistungsumfang gleich bleibt.
Schreib in jedes Angebot eine Annahmefrist, zum Beispiel „gültig bis 30.11.2026“. Ohne Frist kann der Kunde nur so lange annehmen, wie unter normalen Umständen eine Antwort zu erwarten ist – das führt schnell zu Streit, wenn sich Materialpreise ändern.
Quellen: § 147 BGB: Annahmefrist
Praxis
Wann du welches Dokument nutzt
Ist der Umfang klar – etwa 24 m² Wandfliesen in einem neuen Bad –, schreibst du ein Angebot. Das wirkt professionell und gibt dem Kunden Sicherheit.
Ist der Umfang offen – etwa bei einer Altbausanierung, deren Untergrund du erst nach dem Abschlagen der Fliesen kennst –, kannst du einen Kostenvoranschlag schreiben oder im Angebot Bedarfspositionen aufnehmen: „Untergrund ausgleichen, falls erforderlich, je m² 18,00 €“. So weiß der Kunde vorher, was es kosten kann.
Vorlage
Mehrkosten richtig melden
Mustertext: „Hallo Frau Becker, beim Entfernen des alten Bodenbelags im Flur hat sich gezeigt, dass der Estrich an mehreren Stellen gerissen und hohl ist. Damit die neuen Fliesen halten, muss er auf rund 9 m² ausgebessert werden. Das erhöht die Kosten voraussichtlich um rund 1.100 € netto. Ich schicke Ihnen heute die genaue Aufstellung. Bis zu Ihrer Freigabe arbeite ich im Bad weiter.“
Kurz, sachlich, mit Grund, Betrag und nächstem Schritt. Ein Foto dazu verhindert die meisten Diskussionen.
Checkliste Preisdokument
- 1Überschrift: Angebot oder Kostenvoranschlag
- 2Leistungen mit Menge, Einheit und Preis
- 3Annahmefrist mit Datum
- 4Annahmen und Unsicherheiten benannt
- 5Bedarfspositionen für Unvorhersehbares
- 6Vergütung für Aufmaß vorher vereinbart
- 7Mehrkosten sofort gemeldet
Typische Fehler, die du vermeiden solltest
Angebote und Nachträge in Zelino
In Zelino schreibst du Angebote mit Einheitspreisen, Bedarfs- und Alternativpositionen direkt vor Ort. Ergibt sich unterwegs mehr Aufwand, erstellst du aus dem Auftrag einen Nachtrag und schickst ihn zur digitalen Unterschrift.
- Bedarfs- und Alternativpositionen
- Angebot per Sprache vor Ort erstellen
- Nachträge mit digitaler Unterschrift
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Häufige Fragen
Ist ein Kostenvoranschlag verbindlich?
Nein, er ist eine Schätzung. Die Rechnung darf aber nicht wesentlich davon abweichen, und drohende Mehrkosten musst du dem Kunden sofort melden.
Wie viel darf die Rechnung vom Kostenvoranschlag abweichen?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Als Orientierung gelten meist 10 bis 20 %. Entscheidend ist, dass du größere Abweichungen sofort ankündigst.
Darf ich für einen Kostenvoranschlag Geld verlangen?
Nur, wenn du das vorher mit dem Kunden vereinbart hast. Sonst ist er im Zweifel kostenlos.
Was passiert, wenn ich Mehrkosten nicht melde?
Der Kunde kann den Vertrag kündigen und Schadensersatz verlangen. Im Ergebnis bekommst du die Mehrkosten oft nicht bezahlt.
Wie lange ist ein Angebot gültig?
So lange, wie du es angibst. Ohne Frist nur so lange, wie eine Antwort unter normalen Umständen zu erwarten ist. Schreib deshalb immer eine Annahmefrist hinein.
Redaktion und Quellen
Von der Zelino Redaktion. Verantwortlich: Okan Bahadir · Zelino Studio. Quellen geprüft am 20.10.2026.
Die verlinkten Primärquellen belegen die jeweiligen fachlichen Angaben. Zeitpläne, Checklisten und gekennzeichnete Muster sind redaktionelle Arbeitshilfen. Anforderungen im Einzelfall klärst du mit deiner Handwerkskammer sowie deiner Rechts- oder Steuerberatung.
- § 649 BGB: Kostenanschlag
Kündigungsrecht bei wesentlicher Überschreitung und Pflicht zur unverzüglichen Anzeige.
- § 632 BGB: Vergütung
Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten.
- IHK Frankfurt am Main: Kostenvoranschlag
Verbindlichkeit, Vergütung und übliche Toleranzen bei der Überschreitung.
- § 147 BGB: Annahmefrist
Ohne Frist kann ein Angebot nur bis zu dem Zeitpunkt angenommen werden, in dem eine Antwort zu erwarten ist.
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